08.01.2013, KVP Schweiz

Stil und Qualität von Medienarbeit

Stil und Qualität von Medienarbeit

Der homosexuelle Theologe David Berger trug wesentlich dazu bei, das Nachrichtenportal kreuz.net zum Verschwinden zu bringen. David Berger ist ein Christenschreck par excellence. Christlich Kreise versuchen zurzeit, sich vom Peinlichkeitssyndrom (KVP Ziffer 104) zu befreien. Die KVP fordert die Aufhebung der Anonymität in Foren wie beispielsweise bei kath.net und gloria.tv.

Die Reaktionen auf das Verschwinden von kreuz.net waren unterschiedlich: In deutschen Kreisen distanzierte man sich schon von vor Jahren von kreuz.net. Auch Kardinal Koch distanzierte sich. Die „NZZ“ vom 04.12.2012 bezeichnete kreuz.net als „rechtsradikal“. Jetzt, nachdem kreuz.net aufgeflogen ist, sind unterschiedliche Reaktionen bekannt geworden.

Unterschiedliche Rückzugstöne

Die Priesterbruderschaft St. Pius X. hielt kreuz.net als geeignetes Organ, um ihre Meldungen zu verbreiten (gemäss explizit.net vom 11.05.2012).

Das Civitas-Institut meinte, kreuz.net sei ein nicht katholisches Internetportal. Zu Beginn hätte es interessante Informationen aus der Kirche geliefert, die woanders nicht zu lesen waren. Die Informationen hätten nur aus kircheninternen Kreisen kommen können. Im Verlauf der Jahre sei die Qualität der Informationen zunehmend schwächer geworden. „Beleidigungen und Sprachregelungen, die auch nur den Eindruck von Hass hinterlassen können, sind für Katholiken (…) nicht akzeptabel.“ Die Angelegenheit zeige freilich den gewaltigen Einfluss der Homolobby in Deutschland. Pfarrer Hendrick Jolie sei als „völlig unschuldige“ Person verdächtigt und verleumdet worden. Wichtig sei die Wahl der Mittel. „Man darf auf keinen Fall die gleichen Mittel wählen wie die Feinde einer christlichen Gesellschaft“. Das folge „aus dem Wesen christlicher, katholischer Kritik“. Dies sei von kreuz.net schon seit Jahren nicht mehr beachtet worden. Dadurch habe kreuz.net der katholischen Tradition nicht gedient, sondern „eher geschadet.“

Anhänger der Priesterbruderschaft demonstrieren für den Schutz des Lebens, unter Polizeischutz, genau gleich wie linke Demonstrationen für ihre Themen demonstrieren, mit unter anderen Botschaften von Gewalt, Ausgrenzung, Provokationen und Hass (KVP Ziffer 8, 9, 14 und 38). Kirchenobere bedienen sich Twitter, Facebook. Talkshows und Promi-Interviews runden das übliche Bild ab. Die katholischen Nachrichten laufen auch am Sonntag – dem Ruhetag – auf Hochtouren, genau gleich verweltlicht, wie es die „Feinde“ der Kirche tun. Die Christen klagen für ihre Sache vor staatlichen Gerichten, genau gleich wie die Säkularen. Das jedenfalls sind nicht Beispiele, wie anders katholische Kritik sein soll.

Nach dem Verschwinden von kreuz.net im Netz behauptete der Vatikan, kreuz.net habe Schaden angerichtet und die Website sei „einfach nur widerlich“ gewesen. Warum erst jetzt?

Differenzierter formulieren es andere: Früher auch nie deutlich distanziert haben sich zwar das Bistum Chur und die Schweizer Bischofskonferenz (SBK). Plötzlich sind nun aber „viele Inhalte“ zutiefst unchristlich“ (SBK), „teils menschenverachtend und diskriminierend“ (Bistum Chur, gemäss „NZZ“ 19.11.2012). Einige Inhalte und Teile wären also durchaus christlich und nicht menschenverachtend gewesen, folgt man diesen Formulierungen. Welche waren das?

Sowohl die deutsche wie die Schweizer Bischofskonferenz hätten auf das Angebot des Bruno-Gmünder-Verlags zu Gespräch und Zusammenarbeit überhaupt nicht reagiert (gemäss „Zentralschweiz am Sonntag“ 25.11.2012). Gemäss dem Sprecher der SBK, Walter Müller, hatte die SBK Gelegenheit, das Thema an ihrer Vollversammlung in der ersten Dezemberwoche 2012 zu behandeln. Ein Zeichen gegen Diskriminierung und Hetze wäre gemäss Müller wichtig gewesen, („Zentralschweiz am Sonntag“ 25.11.2012). Gehört hat man diesbezüglich aber nichts mehr.

Kardinal Lehmann hat die Aktivitäten von kreuz.net als „schändliche Machenschaften“ verurteilt und allen gedankt, die zur Klärung beigetragen haben, auch wenn sie nicht Freunde der Kirche seien. Pfarrer Hendrick Jolie habe sich entschuldigt. Kreuz.net habe scharfe Polemik gegen Homosexuelle, Protestanten, im Bundestag vertretene Parteien, deutschsprachige Medien, katholische Theologen und Bischöfe verbreitet.

Gegen die Betreiber von kreuz.net ermittelt die Staatsanwaltschaft Berlin wegen Volksverhetzung. Eine Zusammenarbeit mit solchen Personen wäre dann nicht bloss eine Widerlichkeit.

Die Erzdiozöse Wien hat mit dienstrechtlichen Folgen gedroht.

Familienlobby ohne Rückzugsgedanken

Der Schweizer Daniel Regli, Leader von „Marsch für s’Läbe“ und Chef von „Familienlobby“ Schweiz, publizierte am 18. Juni 2011 einen Artikel über Sodomie auf kreuz.net. Am 5. Mai 2009 hielt ihm der „Tages-Anzeiger“ „Schwulenhetze“ vor. Die KVP hat sich von Reglis Vorgehen jedenfalls distanziert. Mit gleichem Datum wurde auf kreuz.net ein anderer Artikel von Regli geschaltet: „publiziert von: Familienlobby Schweiz, Christen für die Wahrheit, Gebetskette Schweiz und vom Schweizerischen Bund aktiver Protestantentreuen. Copyright by 2009 kreuz.net“. Kath.net nahm die Berichterstattung von Regli und jene vom Christlichen Bündnis Schweiz (CBS) ebenfalls auf. Distanziert hat sich die KVP. Regli führt den „Marsch für s’Läbe“ an, bei dem die genannten Gruppierungen nebst Personen aus der Hierarchie des Bistums Chur präsent sind.

Ist das alles nicht auch ein bisschen widerlich, wenngleich in abgeschwächter Form?

Die Frage nach den journalistischen Qualitäten bei kath.net

Polemik gegen Homosexuelle, Protestanten, im Bundestag vertretene Parteien, deutschsprachige Medien, katholische Theologen und Bischöfe verbreitet auch das Forum auf kath.net – freilich  weniger scharf als kreuz.net.

Den Fragen von Mitteln und Methoden geht explicit.net nach. Es kommt zum Schluss, der Unterschied zwischen kreuz.net und kath.net liege in der Anonymität der Redaktion. Die Redaktion von kath.net ist in der Tat nicht anonym, die Postings im Forum von kath.net sind es indes, gleich wie bei kreuz.net und gloria.tv. (Verantwortlich für das anonyme, mit hässlichen Beiträgen gespickte Forum bei gloria.tv ist Reto Nay, der dem Bistum Chur untersteht). Diese Praxis widerspricht dem Grundsatz der Transparenz und Authentizität christlichen Zeugnisses und damit dem Grundsatz der Wahrheit. Sie wurde von Erzbischof Zollitsch zu Recht kritisiert. Was sagt die SBK zu einer solchen Praxis im Lichte der Neuevangelisierung und des Peinlichkeitssyndroms?

Punkto journalistischer Oberflächlichkeit sässen kreuz.net, kath.net und der „Spiegel“ in einem Boot, schlicht im Wettbewerb um Aufmerksamkeit, meint excplicit.net. Beiträge im Forum von kath.net würden nach Gutdünken der Redaktion unterdrückt. Es gibt auch Artikel, zu denen die Rubrik Lesermeinung gar nicht eröffnet wird Das war etwa der Fall bei der Stellungnahme von Erzbischof Müller und anderen Artikeln zu den Piusbrüdern. “Diese zensierende und manipulierende Gestaltung des Forums“ mache aus demselben ein Instrument der Redaktion, schreibt explizit.net. Das Gleiche wird auf kath.net freilich auch dem „Spiegel“ vorgeworfen, der insofern wiederum mit kreuz.net vergleichen wird („gleich wie bei kreuz.net“).

Auf kath.net kämen auch gleiche Begriffe wie auf kreuz.net vor, etwa „Kravattenpriester“, schreibt explizit.net. Übereinstimmung werde beim Setting der Themen beobachtet und sei anders als das Setting des Papstes. Es würden wie beim Spiegel „Treibjagden“ veranstaltet, um einen Gesinnungsgegner „dingfest“ zu machen.

Setting alles andere als papsttreu

Das Setting des Papstes polemisiert in der Tat nicht gegen Gender, Islam, Abtreibung, Homosexualität, Parteien, wie das auf kreuz.net und im Forum kath.net der Fall war und ist. “Jeder, der die katholische Kirche von nahe kennt, ob in Rom oder an anderen Orten, weiss, dass in ihr de facto mehr Schwule wahre Heimat und ein respektiertes Unterkommen gefunden haben als in jeder anderen Gross-Organisation der Welt.“ (Paul Badde).

Polemik gegen die Grünen und die SPD gehört zur Tagesordnung im Forum auf kath.net (Beispiel 1, Beispiel 2). Papst Benedikt XVI. hat die grüne Bewegung bei seinem Deutschlandbesuch demgegenüber anerkennend gewürdigt.

Frieden interessiert kaum

Der Vatikan behandelt mit grossem Engagement Themen wie Umwelt, Armut, Migration, Dialog, Ökumene, Waffen, Gewalt, Frieden und auch Wirtschaft. Das interessiert im Forum von kath.net praktisch niemanden.

Homosexualität dagegen sehr

Die – nach Ansicht der KVP tiefgründig weit abgefasste – Friedensbotschaft des Papst 2013 mit hauptsächlich solchen Themen, publiziert am Freitag, 14. Dezember 2012, blieb auf kath.net den ganzen Tag ohne ein Posting und verschwand in der Reihe der laufenden Nachrichten. Dann setzte die Redaktion gegen Abend den Artikel gross mit der Überschrift „Wer den Frieden will, kann keine Angriffe gegen das Leben dulden“ wieder an die Spitze der Nachrichtenreihe. Das zündete ebenfalls noch nicht. Ein einziger Poster meldete sich. Dann wurde im Verlauf des Samstags die Kritik von Homosexuellenverbänden an der päpstlichen Botschaft mit der Differenzierung zwischen Ehe und den übrigen „radikal anderen Formen der Verbindung“ bekannt.

Praktizierte Homosexualität widerspricht der Natur des Menschen, ist unsittlich und vernunftswidrig. Auf dieser Ebene ist beispielsweise zu begründen, warum die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe oder die Adoption durch Homosexuelle abzulehnen ist. Was haben indes die Poster auf kath.net daraus gemacht?

Sie unterstellen den Homosexuellen abwegigste Verhaltensweisen: In einer „ Lobby“ diffamieren sie, schreien, machen Antikirchen- und Antipapsthetze, Unverschämtheit – Zwischenruf „Bravo“ – kann man nur lachen, diktatorische Homoideologie, eine Schande, wie das Recht von ein paar Personen in die Knie gezwungen wird, eine kleine Minderheit schreibt der Mehrheit vor, was sie denken und sagen darf. Sie verbreiten Unfrieden und Streitlust, aufgeregtes Geschrei.

Im vorliegenden Fall war die Kritik an der Friedensbotschaft korrekt, wenngleich der katholischen Soziallehre selbstverständlich entgegengesetzt. Sie zeigte das im Vergleich zum Staat unterschiedliche Verständnis der Kirche über die Menschenrechte auf.

Martin Lohmann und Birgit Kelle kritisierten im Fernsehen das Projekt der Adoption durch Homosexuelle. „Jedes Kind hat das Recht auf die Erfahrung, einen Vater und eine Mutter zu haben“, sagte Kelle. Dieser Satz war eine glatte Provokation für die Homosexuellen, da er inhaltlich unzutreffend ist. Gepfeffert wurde er mit dem Hinweis, wonach Kinder, die auf einen Elternteil verzichten müssten, in ihrem späteren Leben zu mehr Depressionen Aggressivität und Drogenkonsum neigten. Daraufhin bekam Martin Lohmann von einem Zuschauer eine massive Drohung in Haus geliefert. Das wiederum war die Gelegenheit für die Gegner der Homosexuellen, mit ihren bekannten Vokabeln aufzufahren, sowohl im kath.net wie beispielsweise auch bei der Priesterbruderschaft St. Pius X.

Der Papst argumentiert in Sachen Homosexualität anders als in den genannten Beispielen. Respekt und Achtung gegenüber den Homosexuellen sind angesagt. In der Schweiz hat das Volk mit einer grossen Mehrheit das Partnerschaftsgesetz angenommen und die Adoption durch homosexuelle Partner ist auf dem besten Weg zu ihrer Realisierung. Das ist alles andere als lächerlich. Die Fragen sind sehr ernst zu nehmen, will man gegen derartige Gesetze erfolgreich antreten.

Nicht besonders gut erging es Weihbischof Laun, als er auf kath.net die Homosexualität als grösste Sünde in Frage stellte. Es gab Schelte in den Postings.

Sprachstil

Der angemessene Stil ist eine Frage der katholischen Soziallehre (Kompendium der Soziallehre, Ziffer 546). Über den Stil referierte gut belehrend Weihbischof Laun. Der Artikel erhielt mittelmässige bis schlechte Qualifikationen auf kath.net.

Einen christlichen Stil, welcher die Menschen nicht auf Kategorien reduziert und sie emotional manipuliert, mahnte Benedikt XVI. ab. Nach Erzbischof Claudio Celli wäre es nicht falsch, diese Papstworte „auf einige konservative katholische Blogs, Websites und Youtube-Kanäle zu beziehen“ („Tages-Anzeiger“ 16.01.2011).

Aufhebung der Anonymität in den Foren

Bischöfe und Priester schauen dem Krieg auf dem Forum von kath.net mit Beschimpfungen, Polemik und Verhöhnungen zu, bedienen sich des kath.net zum Teil fleissig im Streit untereinander. Kirchen- und papsttreu heisst auch nicht rechts oder gar rechtsradikal. Auf diese Gleichung kann ersatzlos verzichtet werden. Zum Jahresende hat „Dolfi“ noch kurzerhand einen Abt zum „Äbtlein“ zusammengestaucht (kath.net 30.12.2012).

Um das Forum von kath.net auf das Niveau der kirchlichen Soziallehre zu bringen, fordert die KVP die Aufhebung der Anonymität des Forums von kath.net und gloria.tv. Im Blick auf die jüngst vom Netz gegangene Internetseite kreuz.net sagte Erzbischof Müller, er sehe ein Defizit des Internets darin, dass dort anonym Meinungen geäußert werden können. "Ein anständiger Mensch sagt über andere nichts Negatives, ohne dass er seinen Namen preisgibt und damit dafür Verantwortung übernimmt", erklärte Müller. Dem ist für normale Zeiten zuzustimmen. Entsprechend hat sich die KVP jüngst geäussert (KVP Ziffer 35 und 39). Müller und andere Würdenträger haben kath.net indes positiv gewürdigt, und können sich darin durch die Meinung von Papst Benedikt XVI. bestätigt fühlen. Wirklich und auch hinsichtlich so mancher Meinungen im Forum? Ist beispielsweise Kurienkardinal Jean-Louis Tauran ein „Kirchenfürst“, der „Muslimen, die uns als Ungläubige, Schweinfleischfresser, Affen und Schweine titulieren, entgegenkommen will“ und darüber „geschwiegen“ hat (so die Formulierung von „DasUrmel“, in: kath.net 05./07.01.2013)? Wollen Priester in einem Forum posten, auf dem sich solche Hetzer-Postings befinden? Papst Benedikt XVI. hat sich von Provokation und Aggressivität immer distanziert. Die Frage bleibt offen.

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