29.07.2011, KVP Schweiz

Bischöfliche Botschaft zum 1. August 2011

Bischöfe geben sich versöhnlich offen

In ihrer Botschaft zum 1. August 2011 tritt die Schweizer Bischofskonferenz professionell und versöhnlich auf. Sie nennt umfassend die Themen, wo sie sich politisch einmischen will. Bemerkenswert ist ihr Hinweis auf den Schutz der Ungeborenen und eine Politik, die sich nicht am Geist der Zeit orientiert. Die Botschaft benutzt indes auch Formeln, deren Bedeutungsinhalt relativ unreflektiert daherkommt – typisch politisch.

„Die Kirche ist politisch.“, sagen die Bischöfe zu Recht. Als Referenz nennen sie das Evangelium: „nur dem Evangelium verpflichtet“. Im weiteren Verlauf der Botschaft fügen sie dann aber auch die „Treue … zu einer lebendigen Tradition“ hinzu und zitieren im Anhang eine Reihe lehramtlicher Quellen der Kirche. Es gilt also nicht nur das Evangelium.

Die Bischöfe legitimieren alle Parteien: „In allen Parteien gibt es berechtigte Anliegen.“ Das tönt nach jüngsten Attacken auf einzelne Parteien versöhnlich und ziemlich zeitgeistig.

Politik beschränkt sich nicht auf konkrete Menschen, die „auf Unterstützung angewiesen sind“. Solche Unterstützung ist primär Aufgabe der Caritas und des konkreten Gesetzesvollzugs. Politik muss das Gemeinwohl im Auge haben. In der Botschaft taucht dieser Begriff nicht auf. Der Begriff ist nicht identisch mit dem Wohl des einzelnen Menschen. Das Naturrecht wäre hier ebenfalls zu thematisieren.

Wenn die Bischöfe sich unter anderem für Menschen einsetzen wollen, deren „Leben erst gerade begonnen hat“, ist das schon positiver, vor allem wenn sie noch sagen, dass die Kirche sich „nicht am Geist der Zeit“ orientiere. In den Medien wurde diese Formulierung als Engagement für die Ungeborenen interpretiert. Würden die Bischöfe in diesem Punkt ernster machen, wäre das erfreulich. Abgesehen vom Bistum Chur spürte man auf diesem Gebiet in den letzten Jahren wenig Tatendrang. Ähnliches gilt für den Bereich der Familie. Die kirchliche Ordnung ist von jener des säkularisierten Staates in diesen Bereichen derart verschieden, dass man entgegen den Bischöfen und dem Zeitgeist folgend nicht einfach sagen kann, die Kirche sei keine „Parallelgesellschaft“. Das Gegenteil trifft ebenso zu: Die Kirche ist eine Parallelgesellschaft. Sein Reich ist in dieser Welt, aber nicht von dieser Welt. Aus ihrer Verschiedenheit kann die Kirche geradezu ihr Profil schöpfen. Der Christ gehört zwei Welten an, die ihn in einen Loyalitätskonflikt stürzen können. Darf man also vor allem im Bereich des Schutzes der Ungeborenen neue bischöfliche Initiativen erwarten?

Gewisse Aussagen der Bischöfe kommen wenig reflektiert daher. Die Kirche habe nicht „die“ Lösung. Manchmal hat sie es aber durchaus: etwa wenn der Papst den Beitritt Kroatiens zur EU unterstützt, optiert er für eine konkrete Lösung. Auch können die Gläubigen die Kirche durch ihr Engagement in Parteien wohl kaum „vertreten“. Eine Vertretungsbefugnis obliegt ausschliesslich den zuständigen kirchlichen Organen. Hat die Kirche politisch eine „besondere integrative Kraft“, weil sie „Menschen mit unterschiedlichen Ansichten an den gleichen Tisch einladen“ könne, um miteinander respektvoll um faire Lösungen zu ringen? Das darf füglich bezweifelt werden. Die Kirche nimmt ja immer auch Partei, wie die Bischöfe betonen. Je konkreter bischöfliche Stellungnahmen ausfallen, umso mehr brüskieren sie jene Gläubigen, die anderer Ansicht sind. Hilfreich wäre daher oftmals, wenn die Bischöfe zumindest sagten, ob ihre Stellungnahmen unverhandelbar sind oder im Licht des Evangeliums und der Lehre abweichende Meinungen durchaus zulassen.In ihrer Botschaft zum 1. August 2011 tritt die Schweizer Bischofskonferenz professionell und versöhnlich auf. Sie nennt umfassend die Themen, wo sie sich politisch einmischen will. Bemerkenswert ist ihr Hinweis auf den Schutz der Ungeborenen und eine Politik, die sich nicht am Geist der Zeit orientiert. Die Botschaft benutzt indes auch Formeln, deren Bedeutungsinhalt relativ unreflektiert daherkommt – typisch politisch.


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