23.09.2011, KVP Schweiz

„Marsch für s’Läbe“ 2011

Unter der Moderation eines Kriegsrhetorikers

Am diesjährigen „Marsch für s’Läbe“ vom 17. September 2011 trat SVP-Mann Dr. Daniel Regli als Moderator auf. An sich eine gute Sache. Doch der Marsch verdeckte eine weniger gute Seite massgebender Leute: ihre Fremdenfeindlichkeit. Die KVP fordert die Lebensschutzorganisationen einmal mehr auf, sich von den fremdenfeindlichen,

kulturkämpferischen Kriegsrhetorikern in ihren Reihen zu distanzieren und Muslime in den Lebensschutz zu integrieren.

 

In der „Schweizerzeit“ vom 17. Juni 2011 behauptet Dr. Daniel Regli von unserer Gesellschaft, sie sei abartig, und er weiss, dass Gottes Geduld mit solchen Gesellschaften nicht ohne Ende sei. Er leitet das aus der Tatsache ab, dass Sex mit Tieren in einem Einzelfall zum Thema gemacht wurde. Gemäss Anweisung des Alten Testamentes gehöre darauf die Todesstrafe.

Blut und Todesstrafe

Solche Überlegungen entsprechen nicht der katholischen Soziallehre, welche die Todesstrafe ablehnt. Auch Reglis Hinweis, dass der Allmächtige die homosexualisierte Stadt Sodom mitsamt ihren Bewohnern zerstört habe, trifft die heutige Wirklichkeit nicht. Keine moderne Stadt ist homosexualisiert. Es finden sich heute — entgegen Sodom und Gomorra — Gerechte in allen Städten. Gemäss Papst Benedikt XVI. bleibt bei den allermeisten Menschen ein letztes und innerstes Offenstehen für Gott. Sie werden gerettet (Enzyklika „Spe Salvi“, Ziffer 46). Entgegen Regli geht es daher nicht um einen existentiellen Kulturkampf, bei dem man das „Blut“ einsetzen müsste. Der Anteil Homosexueller in der Gesellschaft macht zwei bis drei Prozent aus. Homosexualität ist eine „Anlage“. Eine solche Minderheit allein kann eine Gesellschaft ernsthaft nicht existentiell gefährden. Reglis Ausführungen erscheinen diskriminierend und verletzend.

In der „Schweizerzeit“ vom 19. August 2011 doppelt Regli nach, indem er behauptet, dass „Europa“ nur möglich geworden sei, weil die Mauren 732 nach Christus durch Karl Martell in Frankreich und die Osmanen dreimal in Wien zurückgeschlagen wurden. Eine andere Möglichkeit, dass „Europa“ möglich geworden wäre, sieht Historiker Regli nicht, abgesehen davon, dass „Europa“ schon vor diesen Schlachten bestand. Mit seinen Beispielen suggeriert Regli, dass wir heute vor einer ähnlichen Situation stehen. Namentlich aus historischer Sicht ist der Vergleich jedoch abwegig. Die Muslime und sogar die Islamisten kommen heute legal ins Land: sei es über das Asylverfahren oder durch Einwanderung aus wirtschaftlichen Gründen auf Wunsch namentlich der Wirtschaft. Von aufrückenden moslemischen Heeren ist weit und breit nichts zu sehen.

Krieg

Sodann behauptet Regli, die westlichen Geheimdienste seien damit beschäftigt, Operationen von Islamisten aufzudecken, um sie polizeilich oder militärisch zu parieren. Journalisten des "Tages-Anzeigers" wirft er vor, dass sie längst Mitwirkende „in diesem Krieg“ seien. Regli geht damit von einem laufenden Krieg aus. Nachweisen, wo die entsprechenden Kriegserklärungen liegen, namentlich bei der neutralen Schweiz, vermag er nicht. Die Tatsache, dass die Geheimdienste gegen Moslems, welche zentrale Grundrechte und Prinzipien unserer Verfassung nicht respektieren, vorgehen, beruhigt und sollte vor jeglicher fremdenfeindlichen Kriegsrhetorik bewahren. Die Antwort auf den Terrorakt vom 11. September 2001 konnte nicht der Afghanistankrieg sein. Der Vatikan hat ihn verurteilt. Die Antwort auf Terror ist, „mit Hoffnung und Vertrauen vorwärts schauen“ in einer „globalen Kultur der Solidarität“, wie Papst Benedikt XVI. sich ausdrückte.

Die Kriegsrhetorik von Regli und seine Bluttheorie stehen in eigentümlichem Gegensatz zum Lebensschutz, den Regli vertritt. Der Lebensschutz kämpft gegen das Blutvergiessen.

Stil und Inhalt von Reglis Ausführungen liegen weitab der Prinzipien der katholischen Soziallehre. Reglis Ausführungen erstaunen zusätzlich, denn Regli weiss, dass man nicht jeden Moslem mit einem Islamisten gleichsetzen darf, wie er selbst ausführt. Diese Gleichsetzung hat er freilich schon gemacht, als er und seine Mitstreiter für die Antiminarettinitiative kämpften. Nur weil gewisse Muslime im Ausland in den Minaretten „Speerspitzen“ sahen, konnten Minarette in der Schweiz nicht generell verboten werden. Ansonsten müssten auch die Moscheen verboten werden, weil einzelne Personen im Ausland sie als „Kasernen“ bezeichnet haben. Die überwältigende Mehrheit der Muslime in unserem Land sind anständige Leute. Viele von ihnen stehen unseren Lebensschutzzielen recht nahe. Papst Benedikt XVI. sagte in Berlin an die lieben muslimischen Freunde: Daher „scheint mir eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Christen und Muslimen möglich zu sein. (…). Als Menschen des Glaubens können wir (…) „ein wichtiges Zeugnis in vielen entscheidenden Bereichen (…) geben. Ich denke hier zum Beispiel an den Schutz der Familie auf der Grundlage der Ehegemeinschaft, an die Ehrfurcht vor dem Leben in jeder Phase seines natürlichen Verlaufs oder an die Förderung einer grösseren sozialen Gerechtigkeit.“ Damit bestätigt der Papst eine konstante Haltung der KVP bestätigt. Die Muslime sollen daher in Märsche fürs Leben integriert werden.

Forderung

Die KVP fordert die Lebensschutzorganisationen daher einmal mehr auf, sich von den fremdenfeindlichen, kulturkämpferischen Personen in ihren Reihen zu distanzieren. Ansonsten ist es für viele Schweizer Katholiken aus guten Gründen nicht möglich, an einem Marsch für das Leben teilzunehmen.


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