25.10.2011, KVP Schweiz

Finanzkrise

KVP begrüsst finanzpolitische Initiative des Vatikans

Die Vorschläge des Vatikans „Für eine Reform des internationalen Finanz- und Währungssystems aus der Sicht einer öffentlichen Autorität mit universaler Kompetenz“ rütteln auf. Soweit einsehbar, bringen sie äusserst überlegenswerte Gedanken. Die KVP wünscht den Vorschlägen eine möglichst weite Verbreitung und Diskussion, kommen sie doch ihren eigenen Bemühungen sehr entgegen.

 

Die Menschen leiden unter den mittlerweile in immer kürzeren Zeitabständen sich wiederholenden Krisen – sowohl materiell wie psychisch und geistig. Bankenpleiten, astronomische Saläre für Manager, Steuerentlastungen für hohe Einkommen und Vermögen, Verfilzung von Banken und Politik, kriminelle Machenschaften, Schwarzgeldhortung, Potentatengelder, Entlassungen gehören zu den täglichen Informationen über das Finanzsystem. Das reale Bruttoeinkommen des Mittelstandes geht seit Jahren zurück, das Gefühl der Machtlosigkeit überfällt die Menschen. Eine Wende muss kommen. Wird sie nicht bewusst unter Kontrolle herbeigeführt, kann es zu unkontrollierbaren Abläufen kommen, was die Umwälzungen nur umso schmerzlicher macht.

Die Vorschläge aus dem Vatikan schliessen lückenlos an die Ausführungen in der Enzyklika „Deus caritas est“ an, sind nun aber konkreter geworden und von höchster Aktualität. Das Finanzsystem ist intransparent, autoritär, schafft weltweit gewaltige Monopolkonglomerate im Finanzwesen selbst, aber auch ausserhalb davon. Die Demokratisierung und Dezentralisierung dieser Strukturen, indem man ihnen politische Einrichtungen an die Seite stellt, erscheint ein probates Mittel, Transparenz zu schaffen. Den „Strukturen der Sünde“ ist in der Tat ein politischer Wille entgegenzustellen.

Wie die KVP an diversen Stellen festgehalten hat, sind indes auch Änderungen jenseits blosser organisatorischer Regulierungen zu bedenken. Die globalen Ziele einer Reform legen es beispielsweise nahe, das islamische Banking mit in die Überlegungen einzubeziehen. Es zeichnet sich aus durch ein Verbot des reinen Zinsgeschäfts, des hochriskanten Derivatenhandels und verhindert eigenständige Zinsentwicklungen. Spekulationen sind weitgehend ausgeschaltet und das System vermochte in der Vergangenheit recht guten Schutz gegen Krisen geben. Die Weltreligionen – auch die katholische Kirche – wissen um die Problematik des Zinsgeschäfts, des Wuchers und um das ethisch Gebot, die Gläubigen vor Ausbeutung, „Lüge und Diebstahl“ zu schützen. Heute leben wir in einer Menschheitsfamilie. Die Problematik betrifft daher die globale Wirtschaft.

Das Regiogeld ist zu prüfen. Die Regionalisierung der Strukturen bei gleichzeitiger globaler Koordination ist ein weiterer möglicher Lösungsansatz. Zur Regionalisierung kann die Prüfung der Einführung von Parallelwährungen gehören.

Zentral scheint die Frage der Verstaatlichung der Geldschöpfung zu sein, wie sie Milton Friedmann und der Schweizer Hans-Christoph Binswanger befürworten (vgl. ferner www.monetative.ch ). Die Geldschöpfung muss grundsätzlich beim Staat liegen. Die Vorteile für Stabilität und Steuerbelastung der Bürgerschaft hangen eng damit zusammen. Eine Finanztransaktionssteuer ist schliesslich ebenfalls denkbar, um gleichzeitig die riesigen globalen Herausforderungen in der Förderung von Wohlfahrt und im Kampf gegen Armut zu meistern. In der Grundtendenz, die Verwerfungen an den Finanzmärkten durch mehr Regulierung in den Griff zu bekommen, liegen die Vorschläge aus dem Vatikan damit ebenfalls richtig.


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