04.11.2011, KVP Schweiz

Kredit an „Adebar“ für Informationen über Abtreibung und „Pille danach“

Fall hat Potenzial mit Hebelwirkung auf das Staatskirchenrecht

Das Bistum Chur beklagt sich mit Recht über den Kredit der dortigen staatskirchenrechtlichen Organisation „Landeskirche“ an die im staatlichen Auftrag handelnde Beratungsstelle „Adebar“. „Adebar“ informiert Frauen neutral über die Möglichkeiten der Abtreibung und der „Pille danach“. Der Bischof sei sich bewusst, dass

er gegen die Entscheidung der Landeskirche nichts unternehmen könne. Die KVP hinterfragt diese Position und sieht durchaus Handlungsmöglichkeiten. Der Fall „Adebar“ birgt das Potenzial einer Hebelwirkung, um die Kirche vom Staatskirchenrecht zu emanzipieren.

 

„Adebar“ informiert über die Möglichkeiten der Abtreibung und der „Pille danach“ (Bericht der „SonntagsZeitung“ vom 30. Oktober 2011). In den Schulen betreibt „Adebar“ entsprechende Sexualpädagogik, indem sie für die Aufrechterhaltung der Sexualisierung der Volksschule sorgt, die sie flächendeckend anstrebt. Lehrpersonen können für ihren Unterricht „Verhütungskoffer“ beziehen.

Die Kirche tickt hier anders als der Staat. Aus Sicht der katholischen Soziallehre verbreitet „Adebar“ Informationen über die Begehung eines Verbrechens. „Adebar“ sei eine konfessionell neutrale Beratungsstelle, erklärte Vereinspräsidentin und Rechtsanwältin Andrea Bäder Federspiel. Die Landeskirche ihrerseits gelte als „weltliche Organisation“, wie Claudia Kleis, CVP-Grossrätin und Präsidentin der Exekutive der „Bündner Landeskirche“ heftig moniert hat (SDA 31.10.2011). Aus katholischer Sicht ist „Adebar“ eine Abtreibungsorganisation ersten Grades, die Landeskirche, welche „Adebar“ mitfinanziert, eine solche zweiten Grades. Der Zusammenhang zwischen beiden stellt eine verbrecherische Struktur dar.

Etwas irritierend erscheint die Erklärung des Bistums, der Churer Bischof sei sich bewusst, dass er gegen die Entscheidung der Landeskirche nichts unternehmen könne, „völlig machtlos“ sei und nicht mehr als das Wort zur Hand habe.

Wörter sind indes bereits Macht. Mit dem Gang an die Öffentlichkeit zu diesem Problem hat der Bischof sehr gute Public Relations (PR) betrieben und der katholischen Soziallehre in einem wichtigen Gebiet öffentlich Gehör verschafft. Genügt das indes?

Gemäss dem Pressesprecher des Bistums müssen die Entscheidungen über die Steuergelder „zusammen mit der Kirchenleitung, insbesondere dem Bischof, getroffen werden“ (SDA 31.10.2011). Wenn das so ist, könnte der Bischof doch diesen Grundsatz rechtlich durchzusetzen versuchen. Der Bischof könnte sodann auf Gelder einer „Landeskirche“, welche in verbrecherischen Strukturen arbeitet, verzichten. Aus einem System, das nicht klar gegen Abtreibung und „Pille danach“ politisiert, muss die Kirche wohl aussteigen, wenn sie glaubwürdig bleiben will. Dabei könnte der Bischof möglicherweise sogar mit der Unterstützung von Papst Benedikt XVI. rechnen, der eine Kirche in „weltlicher Armut“ sieht, Entweltlichung sowie Tun anstatt Reden fordert. Der Bischof kann sodann die Steuerzahlenden auffordern, aus der „Landeskirche“, weil sie in Strukturen des Verbrechens verwickelt ist, auszutreten, und ein eigenes, transparentes Spendeninkasso aufbauen. Er kann letztlich den staatskirchenrechtlichen Organen die Anerkennung entziehen. Die KVP hat die Möglichkeiten aufgezeigt. Der Fall „Adebar“ birgt damit das Potenzial einer Hebelwirkung, um die Kirche vom Staatskirchenrecht zu emanzipieren.


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